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EPS Sektion Zürich: Besuch Zunftmuseum

am 25. Oktober 2012

Was weiss man als Nichtzürcher von der Zürcher Zünften? Ja, das Sechseläuten mit dem farbenprächtigen Umzug, dem Umritt um den Holzstoss und schliesslich das unvermeidliche feurige Ende des Böögg, dieses wichtigste Fest der Stadt Zürich kennt man wohl überall in der Schweiz. Dass Zünfte Berufsorganisationen waren und in den Städten oft eine wichtige politische Rolle spielten, weiss man vom Geschichtsunterricht. Auch von Ritter Rudolf Brun hörte man, dem Ritter, der am 7. Juni 1336 einen Machtwechsel inszenierte und dessen neue Zunftverfassung den Zünften ihre politische Stellung gab, die bis 1798 andauerte. Die Zünfte waren weit mehr als Berufsverbände, die ihren Mitgliedern im Sinne von Kartellen ein gesichertes Einkommen garantierten. Sie hatten vielmehr eine Vielzahl öffentlicher Aufgaben, übernahmen also, ähnlich der Kirche, Funktionen, die nach 1798 sukzessive der säkulare Staat übernommen hat.
13 Zünfte waren es und dazu die «Constaffel», die sich in die Macht teilte. In der Constaffel war nach der Brunschen Revolution die alte Oberschicht zusammengefasst. 1798, Einmarsch der französischen Revolutionstruppen, Zusammenbruch des «Ancien Régime», beendete auch die Vorherrschaft der Zünfte. Die Mediationsverfassung 1803 führte zu einem beschränkten Wiederaufleben der Zünfte als politische Institutionen; 1866 fielen auch diese «Wahlzünfte» endgültig dahin. Dagegen lebten die Zünfte als gesellschaftliche Organisationen vor allem im 20. Jahrhundert wieder auf, ja, heute gibt es mehr Zünfte als es jemals gegeben hat, indem in eingemeindeten Vororten Zürichs «Quartierzünfte» zur Festigung des Zusammenhalts in den ursprünglichen Dörfern entstanden. Dadurch zählt Zürich heute 26 Zünfte als Vereine, die ein recht umfangreiches Programm pflegen.
Das Zunftmuseum Zürich ist nicht ein Museum im klassischen Sinn. Der Besucher taucht vielmehr mittels audio-visueller Präsentationen in die frühere und heutige Welt der Zürcher Zünfte ein. Erstaunlich realistisch erlebt er in einem Raum einen Maler aus dem 16. Jahrhundert, der mit einer Schneiderin und dem Glasmaler und Kartographen Jos Murer ein Gespräch über ihr Leben, über das Wetter und eben über das Zunftleben führt. Da die gesamte Bürgerschaft in die Zünfte integriert war, gehörten auch die Frauen dazu, im Gegensatz zu heute! Auf einer virtuellen Limmatfahrt (fast könnte man seekrank werden), begegnet man dem alten und neuen Zürich und lernt die Zunfthäuser kennen. Und schliesslich wird in einer dritten Präsentation den heutigen Zünften und dem Sechseläuten der gebührende Platz eingeräumt. Das Sechseläuten in der heutigen Form ist übrigens nicht so alt, wie man es sich denken könnte. Als Nachfolgefest von früheren Frühlingsanlässen findet es seit 1902 auf dem Platz statt, der erst 1947 in «Sechseläutewiese» umgetauft wurde
Das «Haus zum blauen Himmel», in dem das Zunftmuseum im zweiten Stock Platz gefunden hat, ist eines der ältesten Häuser der Stadt und wurde wohl in seinen ältesten Teilen im 12./13. Jahrhundert erbaut. Es diente manchen renommierten Familien Zürichs als Residenz. Eigentum der Zunft zur Letzi wurde es 1970.
Der von Fick/Heinrich Fiechter organisierte Anlass stiess auf reges Interesse. Und auch wer nicht mehr so gut zu Fuss war, erklomm die steile Holztreppe in den zweiten Stock. Ausklang des Treffens zum Weltfreundschaftstag war dann im Restaurant Turm im Erdgeschoss des Zunfthauses. Danke, Fick, für die Organisation, und danke der Sektion Zürich für die Einladung an die Nichtzürcher!

Walter Giger/koks

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